
Als unsere Urahnen das Wasser verließen, musste sich die Evolution für das Leben auf dem Lande ein ökonomisches Prinzip ausdenken. Heraus kam die Leichtbauweise. Sie garantiert trotz geringen Materialaufwandes: Stabilität, optimale Beweglichkeit und genug Kraft.

Illustration und Copyright: Holger Vanselow
Der Knochen ist fünfmal leichter als Stahl, gegen Druck aber doppelt so widerstandsfähig wie Granit, gegen Zugkraft viermal so resistent wie Beton. Unser Skelett besteht aus 208 bis 215 kurzen und langen, hohlen und platten Knochen. Und die tragen die Last des Körpers, ermöglichen uns Bewegung, dienen als Mineralstoffdepot, schützen die Organe und bilden im Inneren Blutkörperchen. Alles bewegt sich um eine flexible Zentralachse, die Wirbelsäule. Noch etwas Geniales hat sich die Evolution für uns ausgedacht: Unser Bewegungsapparat ist ein System, das sich durch Benutzung selbst repariert und das besonders durch Nichtbenutzung kaputtgeht. Davon träumt jeder Flugzeugingenieur. Unser Material würde länger vorhalten, ließe man es nicht durch eine falsche Lebensweise verrotten …
Täglich bildet sich der Knochen neu…
Der Knochen ist keine trockene Materie, in der kein Leben stattfindet. Im Gegenteil: Der Knochen wird stets durchblutet und in seinem Inneren findet ein ständiger Umbau statt. Sogenannte «Osteoblasten» bauen fleißig Knochen auf, und die Osteoklasten, fressende Riesenzellen, bauen Knochensubstanz ab, damit der Knochen nicht ins Unendliche wächst, sondern sich stets erneuert. Das heißt: Knochenmasse geht und kommt. Darum heilt auch ein Bruch.
… wenn er nicht schwindet
Nur, wenn die fressenden Osteoklasten fleißiger sind als die bauenden Osteoblasten, sieht’s nicht gut aus. Der Mensch leidet unter Knochenschwund. Das nennt sich auch «Osteoporose » und quält sieben Millionen Deutsche. Schleichend fressen die Osteoklasten Knochensubstanz weg, der Rücken rundet sich, der Mensch schrumpft. Die Substanz nimmt ab, die Architektur des Knochens wird marode. Der Knochen bricht schneller. Das ist in unserem genetischen Programm nicht vorgesehen – hat also nichts mit normaler Alterserscheinung zu tun. Osteoporose ist meist hausgemacht. Die häufigste Ursache heißt: Bewegungs- und Belastungsmangel.
Marion Grillparzer
Autorin des Buches: KörperWissen. Entdecken Sie Ihre innere Welt. 2007. München: Gräfe und Unzer Verlag.
Welche Auswirkung hat Kieser Training eigentlich auf …
Nur wenigen Menschen ist bewusst, dass die Muskulatur auch eine entscheidende Rolle für die Knochengesundheit spielt. Denn Krafttraining bringt nicht nur Muskeln auf das erforderliche Kraftniveau, sondern gilt dank seiner intensiven Belastung als das Knochentraining schlechthin.

Gesunder Knochen
Entscheidend für die Festigkeit und Belastbarkeit eines Knochens ist der Mineralgehalt, der bis etwa zum 30. Lebensjahr stetig zunimmt und dann sein Maximum erreicht hat. Wie hoch das Mineralreservoir im Knochen ist, hängt aber entscheidend von der Belastung ab, die auf den Knochen einwirkt. Heben unsere Muskeln ein Gewicht an, erzeugen sie Zug-, Druckund Biegekräfte, die über Bänder und Sehnen auf die Knochen übertragen werden. Spezielle Knochenzellen registrieren diese Belastung. Ist der Belastungsreiz ausreichend hoch, senden diese Zellen Signale an die Osteoblasten, die Knochenaufbauzellen. Die Knochenbildung wird angeregt, der Knochen lagert Mineralsalze ein, die schwammartig ausgebildeten Knochenbälkchen werden stabiler. Außerdem verdicken sich die äußere Schicht des Röhrenknochens sowie die Ansatzzonen von Sehnen und Gelenken. Bleibt die Belastung aus, überwiegt die Arbeit der Osteoklasten und der Knochen wird porös.

Osteoporotischer Knochen
Mangelnde Bewegung und fehlender muskulärer Widerstand gefährden somit schon die Knochengesundheit Heranwachsender. Ab dem 30. Lebensjahr kommt es dann zu einem kontinuierlichen Abfall der Knochenmasse, die pro Jahr zwischen 0,5 und 1 Prozent liegt. Krafttraining ist eine effektive Maßnahme, um in der Jugend ein höheres Knochenmineralreservoir anzulegen und auch im Erwachsenenalter den Knochen zu stimulieren, um Aufbauprozesse in Gang zu setzen. Für die Zunahme der Knochendichte müssen Widerstand und Trainingsumfang jedoch einen ausreichenden Belastungsreiz bieten. Dies erfordert ein regelmäßiges Training aller wichtigen Muskelgruppen mit ausreichend hoher Intensität, wie es Kieser Training gewährleistet.
So wird mit jeder Trainingseinheit bei Kieser Training der Knochen mit trainiert, der sich auf Dauer in seiner Struktur anpasst. Der Effekt: Die Knochen bleiben gesund, können mehr Widerstand gegen Einflüsse von außen leisten und sind vor Osteoporose geschützt. Übrigens sind nicht nur Frauen, sondern auch Männer – wenn auch seltener und etwa zehn Jahre später – von dieser tückischen Krankheit betroffen. Die regelmäßigen Druck- und Zugbelastungen beim Krafttraining erhalten die Knochensubstanz, machen sie fester und auch elastischer. Der Mensch wächst eben am Widerstand – das wusste schon die Evolution.
Was tun bei Osteoporose?
Wir Ärzte haben die Augen lange zugemacht beim Thema Osteoporose. Warum? Wir hatten nicht viel zu bieten, wenn es um Vorbeugung und Therapie dieser unheimlichen Volkskrankheit ging. Das hat sich gründlich geändert. Deshalb: Augen auf – und das heißt Früherkennung. Vor allem wenn Sie in der Verwandtschaft schon Osteoporose erlebt haben, wenn Sie mehr als drei Zentimeter kleiner geworden sind oder sehr zart gebaut sind, sollten Sie Ihre Knochendichte messen lassen. Von den Früherkennungsmethoden ist die DEXA-Methode am besten geeignet.

Osteoporotische Wirbelkörperfrakturen
Unser Knochen ist so lebendig wie jedes andere Organ. Das zeigt sich nirgends so deutlich wie im Krafttraining. Es sprengt mein Vorstellungsvermögen als Arzt, in welchem Umfang und in welcher Zeit Knochen durch den Kräftigungsreiz aufgebaut werden können. Starke Knochen sind aber nicht das selbstverständliche Nebenprodukt des Trainings. Krafttraining gegen Osteoporose ist anspruchsvoll. Die Auswahl der Maschinen, die Qualität der Übungen, Intensität und Trainingsfrequenz müssen angepasst und laufend überprüft werden.
Bei einer fortgeschrittenen Osteoporose ist Krafttraining nicht ungefährlich. Deshalb kommt hier die Medizinische Kräftigungstherapie zum Einsatz. Eine hohe Wirksamkeit durch hoch spezialisierte Therapiemaschinen und ein optimiertes Risikomanagement dank der 1:1-Betreuung durch erfahrene Therapeuten kennzeichnen die Therapie. Meine Bilanz nach elf Jahren Osteoporosetherapie sieht so aus: keine ernsthaften Komplikationen, keine «Non-Responder» (fehlendes Ansprechen auf das Training) und eine Steigerung der Knochendichte innerhalb eines Jahres um 5 bis 15 Prozent. Kann das irgendein Medikament? Kann es nicht – und es wäre eine Sensation, wenn es je auf den Markt käme. Wir haben es.
Dr. med. Martin Weiß, Arzt für Allgemeinmedizin und Chirotherapie
