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Kieser Training ist «museumsreif»

Kieser Training ist Teil der Ausstellung «Zauber Berge. Die Schweiz als Kraftraum und Sanatorium», die noch bis zum 15. August im Landesmuseum Zürich zu sehen ist.

Die von Felix Graf vom Schweizerischen Nationalmuseum und Eberhard Wolff vom Medizinhistorischen Institut und Museum der Universität Zürich kuratierte Ausstellung beleuchtet das Image der Schweiz als Gesundheitsparadies – jenseits von klassischer Schulmedizin und Pharmaindustrie.


Das Sanatorium «Lebendige Kraft» am Zürichberg
im Eröffnungsjahr 1904.
Foto: © Bircher-Benner-Archiv, Universität Zürich.

Das Sanatorium Europas
Die Schweizer Berge galten lange Zeit für zivilisierte Menschen als unbewohnbar – schien doch die zwischen den Bergen gefangene Höhenluft nur für jene erträglich, die mit ihr aufgewachsen waren. Kröpfe und Kretinismus verband man mit der schlechten Qualität des Wassers und die Ärzte waren sich einig, dass der Konsum von Milch und deren Produkten dick, faul und stupid mache. Mit dem beginnenden 18. Jahrhundert wandelte sich dieses Bild – die Schweiz mauserte sich zum «Sanatorium Europas».

Die vier Zauberberge
Die Ausstellung führt den Besucher auf die vier «Zauberberge», die sich um 1900 zu Markenzeichen und identitätsstiftenden Symbolen des Gesundheitsparadieses Schweiz entwickelten: auf den «Waadtländer Zauberberg» und der Höhenklinik in Leysin, in der tausende schwindsüchtige Soldaten behandelt wurden; den «Bündner Zauberberg» mit dem Waldsanatorium in Davos, luxuriöse Pilgerstätte der auf Wochen, Monate oder Jahre angelegten Höhenkur zur Behandlung von Tuberkulose; den «Zürcher Berg» mit dem von Dr. Max Bircher-Benner gegründeten Sanatorium «Lebendige Kraft», Mekka der Wohlhabenden und Prominenten sowie auf den «Tessiner Zauberberg» mit der Lebensreformkolonie Monte Verità.

Die Schweiz als Kraftraum
Entlang der Naturheil-Elemente Licht, Luft, Wasser und Höhe geht der Ausstellungsparcours weiter über Markenprodukte «Made in Switzerland » wie Ovomaltine, Rivella, Ricola oder Rausch bis hin zum Krafttraining. Im Kraftraum wird Werner Kieser mit seiner Methodik als Schweizer Pionier des modernen Krafttrainings gewürdigt und damit in eine Linie mit dem schwedischen Arzt Gustav Jonas Zander (1835-1920) und dem Österreicher Max Herz (1865-1956) gestellt. Zanders medico-mechanische Heilgymnastik fand bis 1930 Anwendung in Schweizer Kliniken, Kurhäusern und vermögenden Privathaushalten. Archaisch anmutende Krafttrainingsgeräte erschrecken mit Namen wie «Apparat zur Rumpfhackung» oder «Erschütterung im Reitsitz» und lassen ahnen, dass Kräftigung zu dieser Zeit kein Zuckerschlecken war. Kurios mutet der «Clias Helm» des Schweizer Turnervaters Phokion Heinrich Clias (1782-1854) an, ein umgearbeiteter Feuerwehrhelm zur Stärkung der Nackenmuskulatur.


«Apparat zur Rumpfhackung»


«Erschütterung im Reitsitz»
Gustav Jonas Zander (1835–1920)


«Clias-Helm». Der umgearbeitete
Feuerwehrhelm aus der Zeit um
1880 wurde zur Stärkung der
Nackenmuskulatur verwendet.
Sportmuseum Schweiz, Basel.

Die modernen Trainingsgeräte der neusten Kieser Training-Generation laden den Besucher zum Ausprobieren ein und machen Fortschritt erlebbar. Kieser Training, so heißt es im Ausstellungskatalog, sei «im Ausland ein Stück weit Ausdruck seriöshelvetischer Gesundheit».

Kolumne

Philosophisch betrachtet ist Gesundheit ein desolater Zwischenzustand, der das Schlimmste befürchten lässt. Krankheit ist mithin ebenso unvermeidlich wie das Altern. So wie ein glückliches Leben nur gelingen kann, wenn man den Tod als Bestandteil oder, wie Martin Heidegger, als bestimmendes Prinzip des Lebens akzeptiert, kann Gesundheit auch nur dann gelingen, wenn man Krankheit als unvermeidlichen Bestandteil des Lebens bejaht. Eine richtig verstandene Selbstsorge meint folglich nicht Krankheit zu verdrängen, sondern diese in das Leben zu integrieren. Denn, wie Nietzsche zu Recht schreibt, ist das Problem des Menschen nicht das Leiden selbst, sondern «dass die Antwort fehlt für den Schrei der Frage‚ wozu leiden?‘». Der Mensch, so Nietzsche, leide vor allem an der «Krankheit», lieber «das Nichts zu wollen als nicht zu wollen». Die einzige Möglichkeit, dem Leiden des Menschen an der Sinnlosigkeit zu begegnen, ist: nicht zu wollen – weder etwas noch das Nichts! Nur frei von allen Vorstellungen dessen, wie das Leben sein soll, kann man das aufnehmen, was das Leben bietet, sprich, nur frei von Erwartungen und Ansprüchen an das Leben kann man das finden, was am Wegesrand verborgen liegt.

Dr. Siegfried Reusch, Chefredakteur der Zeitschrift «der blaue reiter – Journal für Philosophie», www.derblauereiter.de und www.verlag-derblauereiter.de

Die Nudel-Denke reicht nicht

Zur Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika sorgt Starkoch Holger Stromberg für das leibliche Wohl der deutschen Kicker – und tischt ihnen nebenbei die eine oder andere Ernährungsweisheit auf.

Herr Stromberg, Sie zelebrieren Kochen als Kunst. Was können wir entdecken, wenn wir über Ihren Tellerrand schauen?
Zunächst einmal müssen Sie einen flotten Blick auf den Teller haben, weil das Ganze schnell aufgegessen ist. Auch wenn viele Gäste das behaupten – ich sehe Kochen nicht als Kunst, sondern als Gabe, die in erster Linie ein Handwerk ist. Ich möchte die Esskultur in Deutschland verändern und Menschen erfreuen. Dazu gehört z. B. auch das Ambiente. Somit bin ich nicht der klassische Koch, sondern schaue über den Tellerrand meiner weißgekachelten Küche hinaus.


Holger Stromberg, Pure Cooking
Fotografie: Stefan Braun
Verlag: Collection Rolf Heyne
€ (D) 29,90 / € (A) 30,80 / sFr 51,90
256 Seiten mit 118 Farb- und Schwarz-
Weiß-Fotos, 105 Rezepte, Gebunden
ISBN 978-3-89910-385-4

Sie machen also nicht nur die Nudeln für die Nationalmannschaft warm?
Mitnichten, wir haben in der Schule leider kein Fach Ernährungslehre. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass die Spieler sich bewusst ernähren. Ich habe eine Kommunikationskultur im Team etabliert, viel geändert und z. B. Hülsenfrüchte rehabilitiert. Wir sollten unserer Ernährung die Aufmerksamkeit schenken, die sie verdient, denn sie ist nach Sauerstoff der wichtigste Energiebringer.

Steht Pasta denn nun noch auf dem Speiseplan vor einem Spiel?
Natürlich gibt es Nudeln, aber diese Denke reicht nicht. Dreieinhalb Stunden vor einem Match nehmen die Spieler die letzte Ration Kohlenhydrate auf. Sind die Nudeln aus Weißmehl, ist diese Energie schnell verbraucht und fehlt dann während des Spiels. Vollkornprodukte liefern hingegen eine länger anhaltende Energiereserve, aber auch der Rest muss stimmen. Auf Dauer verursacht eine Fehlernährung körperliche Defizite. Top-Leistungen sind nur möglich, wenn der Energie-Mix stimmt.

Wie sieht denn der perfekte Energie-Cocktail aus?
Fußball ist in erster Linie ein Ausdauer-, erst dann ein Kraftsport. Die Ernährung muss also vorwiegend komplexe Kohlenhydrate enthalten, dann Eiweiß, gefolgt von Fett. Trainiere ich hingegen nur Kraft wie bei Kieser Training, muss ich die Kohlenhydratzufuhr – Brot, Nudeln, Reis und Kartoffeln – reduzieren. Dafür sollte ich auf tierisches und pflanzliches Eiweiß achten, also z. B. Eier, Tofu, Hülsenfrüchte, Nüsse, Fisch, Fleisch und Geflügel essen. Und auch Fett brauchen wir als Energieträger – viele essen nur zu viel von den nicht gesundheitsförderlichen Fetten. Jeder Mensch sollte sich selber damit beschäftigen und ein Körpergespür entwickeln, welche Lebensmittel er braucht und welche ihm gut bekommen.

Das haben Sie selber am eigenen Leib erfahren ...
Leider! Ich habe in jungen Jahren nicht so sehr auf meine eigene Ernährung geachtet und leide dadurch bis heute unter Gelenkproblemen. Zudem habe ich mein Unternehmen über Jahre aufgebaut und alles vernachlässigt, was ich je sportlich gemacht habe. Bei 16-Stunden-Tagen gehen einem dann Muskeln und Körperhaltung flöten. Vor einem Jahr habe ich mit großen Beschwerden und muskulär runtergewirtschaftet die Kurve zu Kieser Training bekommen. Und habe schon nach der ersten Trainingseinheit eine wahnsinnige Verbesserung gespürt.

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