Ausgabe für die Schweiz | www.kieser-training.com
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Foto: © Kieser Training/Michael Ingenweyen
Im Lexikon «Psychiatrie und Medizinische Psychologie» wird der Begriff der Psyche beschrieben als «alle bewussten und unbewussten seelischen Vorgänge ohne Unterscheidung in Geist und Seele und als dualistischer Gegenbegriff zum Biologisch-Körperlichen des Menschen. Üblicherweise werden die Gegensatzpaare Leib- Seele, Psyche-Soma gebildet.» Bereits in der Antike setzte man sich mit dem Begriff der Psyche auseinander. Aristoteles (384-322 v. Chr.) – Arzt, Philosoph und Verfasser des Werkes «Über die Seele» – bezeichnete mit Psyche die Seele, die das Denken, Handeln und Fühlen des Menschen bestimmt. Die zu der Zeit vorherrschende Annahme, die Seele sei im Verstand angesiedelt, führte zu der Vermutung, sie sei unsterblich. Resultierend daraus vollzog man die Trennung von Körper und Seele.
Jahrhunderte mussten vergehen, bis sich neue Denkweisen durchsetzen konnten. Mit Sigmund Freud (1856- 1939), dem Schöpfer der Psychoanalyse, in deren Kern eine Methode zur Behandlung von «Seelenstörungen» dargestellt wurde, gelang der Durchbruch zu einer neuen Betrachtungsweise über das Leib-Seele-Thema. In der heutigen Zeit spricht man weniger vom Leib-Seele-Problem als vielmehr von den Wechselwirkungen zwischen psychischen und physiologischen Prozessen. Psychische Belastungen können beispielsweise zu unangenehmen somatischen Reaktionen oder zu Magen- und Darmerkrankungen, Migräne oder Hauterkrankungen führen. Dieses enge Zusammenspiel von Körper und Seele spiegelt sich in unseren Redewendungen wider: «Das ist mir unter die Haut gegangen», «Das bereitet mir Kopfschmerzen» oder «Das schlägt mir auf den Magen». Die gegenwärtige psychosomatische Medizin befasst sich mit den Beziehungen zwischen Seele und Körper (Psyche und Soma). Zur Behandlung psychosomatischer Krankheiten und psychischer Auffälligkeiten dienen neben Arzneimitteln auch psychotherapeutische Methoden, um die ursächlichen Faktoren zu klären und positive Veränderungen anzubahnen. Seit einigen Jahrzehnten beschäftigen sich Sportwissenschafter aber auch mit der Frage, ob und wie sich die psychische Gesundheit durch körperliche Aktivität verbessern lässt. «Mens sana in corpore sano» – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper – das wusste schon der altrömische Dichter Juvenal.
Text: Petra Pribil

Foto: © Kieser Training/Michael Ingenweyen
Unsere Muskulatur hat ungewohnten Einfluss auf unsere Gesundheit. Krafttraining schützt vor Rückenbeschwerden, Osteoporose, Bluthochdruck, stärkt das Herz-Kreislauf- System und regt den Stoffwechsel an. Mittlerweile gibt es auch zahlreiche Studien, welche die positiven Auswirkungen von Krafttraining auf die Psyche belegen. Gibt es körperliche «Fortschritte», wirken sich diese auch auf die Psyche aus. Man erlebt, dass man nicht nur Defizite, sondern auch wertvolle Qualitäten in sich trägt.
Körperliche Aktivität baut Stress ab
Eine gesunde Psyche erkennt man daran, dass der Mensch erfolgreich mit Stressfaktoren umgeht. Stress kann beispielsweise durch Konflikte im privaten Bereich, Probleme am Arbeitsplatz oder schwerwiegende Lebensereignisse ausgelöst werden. Für die körperliche und psychische Gesundheit ist es wichtig, Strategien zum Stressabbau zu entwickeln.
Eine Möglichkeit ist die körperliche Betätigung. Ich meine hier nicht die Bewegung auf Leistungssportniveau, sondern ich spreche von kontrolliertem Krafttraining – individuell abgestimmt, so dass ohne Druck und Stress Erfolge für jeden zu erzielen sind.
Krafttraining stärkt Selbstwert und psychisches Wohlbefinden
Kontrolliertes Krafttraining wirkt verbessernd auf die Stimmung, weil Selbstwert und Lebenszufriedenheit steigen. Die Trainierenden erfahren gesundheitliche Verbesserungen. Ein positives Wahrnehmen des Körpers hinsichtlich des Körpergefühls und der Ästhetik und das Erkennen des eigenverantwortlichen Handelns stärken das Selbstvertrauen. Man fühlt sich kompetent in Bezug auf sich selbst, ist sozial integriert in die Gruppe der Gesundheitsbewussten. Wesentlich ist ebenfalls die Konzentration auf die Übung im Hier und Jetzt: Das bedeutet, sich gedanklich freizumachen von belastenden Faktoren für den Augenblick.
Für die positiven Auswirkungen gibt es nicht nur eine psychologische Erklärung, sondern auch eine physiologische. Der Hormonhaushalt wird positiv ausgeglichen, die Funktion der Neurotransmitter – die für die Weitergabe von Informationen im Gehirn zuständig sind – wird reguliert, das allgemeine Wohlbefinden gesteigert.
Mit Krafttraining pflegen wir also nicht nur unsere Muskeln, die uns – im wahrsten Sinne des Wortes – aufrichten und unseren ganzen Körper straffen, sondern Krafttraining ist auch eine Möglichkeit, unsere Psyche zu stärken und unser Selbstvertrauen zu steigern. Teilnehmer einer aktuellen Studie der Forschungsabteilung von Kieser Training konnten die positiven Auswirkungen auf das Lebensgefühl und den Selbstwert bestätigen (vgl. Reflex 37, «Neues aus der Wissenschaft»).
Text: Petra Pribil

Petra Pribil
Psychotherapeutin und Supervisorin
Alles ist hoffnungslos, fremdartig und grau – so beschreiben depressive Personen ihre Eindrücke. Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation sind 121 Millionen Menschen betroffen.
Die genauen Ursachen sind bis heute unbekannt. Wir wissen aber, dass neben einer genetischen Veranlagung auch psychosoziale Aspekte eine Rolle spielen. So können unbewältigte innere oder äußere Belastungen zu einer so genannten exogenen Depression führen. Während leichtere Formen der Depression einer «Niedergeschlagenheit » gleichen, äußern sich mittelgradige und schwere Formen durch einen langsameren Gedankenablauf. Oft herrschen Trauer und resignierte Hoffnungslosigkeit bzw. Verzweiflung und Erregung vor und häufig kommt eine unbegründbare Angst hinzu. Die Bewältigung des Alltags wird als quälend erlebt und Entscheidungen können nicht oder nur unter großen Anstrengungen getroffen werden.
Die Behandlung muss für jeden Klienten individuell vom Facharzt bzw. Psychotherapeuten entschieden werden. Neben einer psychotherapeutischen kann eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein. Nicht minder bedeutend sind die Selbstheilungskräfte der Klienten – diese zu fördern und zu stabilisieren, ist unter anderem durch körperliche Aktivität möglich.
Den Zusammenhang von regelmäßigem Sport und einer Verbesserung der Symptome bei einer leichten und mittelgradigen Depression belegte ein Forscherteam unter Leitung des Psychologen James Blumenthal am medizinischen Zentrum der Duke- Universität in Durham North Carolina – und dies ohne den Einsatz von Medikamenten. Die aktive Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, das «In-sich-hinein-Hören» und das Gefühl, die Genesung eigenverantwortlich in die Hand nehmen zu können, führen zu einem Wohlgefühl und zu positiven Rückmeldungen aus der Umwelt.
Unterstützende Maßnahmen für das Zusammenspiel von Körper und Geist können Sie auch nachlesen unter: www.lifeperformance.at.
Text: Petra Pribil
