Ausgabe für Deutschland | www.kieser-training.com
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Wäsche bügeln, Haare fönen, Gardinen aufhängen, Getränkekästen hochheben, einen Schlagbohrer halten, Wände streichen, Bälle werfen – diese alltäglichen Bewegungen und vieles mehr können wir mit unserer Schulter meist mühelos ausführen. Kraft und feinste Ansteuerbarkeit der Muskulatur sind hier kombiniert mit größtmöglicher Beweglichkeit, da die Schultergelenkpfanne flach und nur etwa ein Viertel so groß ist wie der Oberarmgelenkkopf.
Kontaktfreudiges Schultergelenk
Unser Oberarm-Schultergelenk ist kein isolierter Körperteil. Über Schulterdach und Schlüsselbein besteht indirekt Kontakt zu unserem Brustbein, über die Rippengelenke zum Brustkorb und dadurch nach kräfhinten zu unserer Brust- und Halswirbelsäule. Das Schulterblatt selbst kann sich auf den Rippen etliche Zentimeter hin und her verschieben und drehen. Schulterbewegungen sind daher meistens zusammengesetzte Bewegungen.
Da der Gelenkkopf unseres Oberarms so viel größer ist als die Gelenkpfanne, müssen Bänder und Muskeln für die nötige Stabilität sorgen. Die Muskeln der sogenannten Rotatorenmanschette umgreifen den Oberarmkopf schützend in allen Richtungen und zentrieren ihn somit in der Pfanne. Hierbei spielt der Obergrätenmuskel eine Hauptrolle: Er verhindert z. B. beim Werfen ein Auskugeln des Gelenks. Auch die anderen «Rotatoren» bewegen und schützen das Gelenk aktiv im Verbund mit den Rundmuskeln, den Brustmuskeln, dem Breiten Rückenmuskel, dem Deltaund dem Trapezmuskel sowie Bizeps und Trizeps. Insgesamt sind 26 Muskeln notwendig, um eine optimale Schulterfunktion zu gewährleisten.
Und wenn die Funktion gestört ist? So viel Flexibilität ist schön, hat aber manchmal ihren Preis – in Form von Entzündungen, Kalkeinlagerungen, chronischem Sehnenverschleiß mit teilweisen oder kompletten Sehnenabrissen bis hin zur gefürchteten schmerzhaften Schultersteife, der «frozen shoulder». Mittlerweile sind Schulterbeschwerden in jeder Altersgruppe häufig. Das Maximum liegt zwischen 50 und 60 Jahren. Damit es erst gar nicht dazu kommt, beugen Sie am besten vor.

Die Auslöser für Schulterbeschwerden sind vielfältiger Art. Da wir im Alltag die Schultern eher nach vorn drehen, entsteht ein Ungleichgewicht in der Muskulatur, das durch eintönige Bewegungen oder Überlastung beim Sport verstärkt wird. Manchmal führt ein Sturz mit Abfangen durch den Arm oder eine direkte Prellung zu einer Schleimbeutelentzündung oder einem Sehnenanriss. Manchmal reicht bei einer bisher unbekannten Vorschädigung eine schulterbelastende Schlafstellung, um extreme Beschwerden zu erzeugen.
Gegensteuern durch Training
Um Beschwerden vorzubeugen, lohnt es sich, einen näheren Blick auf die verschiedenen Möglichkeiten zu werfen, die Kieser Training bietet. Mit der Übungsmaschine E4/5 gibt es ein herausragendes Instrument zur Kräftigung und Dehnung der Rotatoren. Sitzhöhe, Übungswinkel und Intensität können individuell angepasst oder bei der Ärztlichen Trainingsberatung festgelegt werden. Beide Übungen sollten allerdings je nach Verträglichkeit schrittweise und zunächst mit niedriger Intensität eingeführt werden. Doch was helfen die besten Rotatorenübungen, wenn der Rücken von vornherein rund und krumm ist und die Schultern gar nicht anders können als nach vorn zu hängen? In diesem Fall sind zusätzlich aufrichtende Übungen angesagt.
Haltung verbessern
Mit der C5 z. B. stärken Sie die Muskulatur, die die Schulterblätter nach hinten zusammenzieht und den Brustkorb aufrichtet. Der Armzug C3 kräftigt und streckt die ganze Wirbelsäule. Mit dem Barrenstütz D7 trainieren Sie die Muskeln, die die Schulterblätter auf den hinteren Rippen nach unten ziehen und stabilisieren. Die Nackenstreckung G5 rundet das Programm ab. Die Seithebung E2 kräftigt mit dem Deltamuskel die Schulterkappe. Nicht angezeigt ist diese Übung, wenn die Rotatoren zu schwach oder sogar gerissen sind. Bei Schulterbeschwerden sorgt der Arzt in der Trainingsberatung dafür, dass Sie die richtigen Übungen erhalten und mit der richtigen Intensität und Belastung trainieren. Natürlich gibt es bei Kieser Training etliche weitere Übungen für die Stabilität unseres Schultergürtels und für unsere Haltung. Wir müssen sie nur klug nutzen.
Texte auf dieser Seite: Sibylla Stecher

Sibylla Stecher war acht Jahre lang
Ärztin bei Kieser Training in Frankfurt
und arbeitet jetzt in der
Rehabilitationsmedizin
Wenn Ihr Arzt bei Ihnen ein «Impingement » der Schulter festgestellt hat, so ist dies noch keine Diagnose, sondern nur eine Beschreibung eines Zustands: «Impingement» ist der englische Ausdruck für «Zusammenstoß ». In diesem Fall ist es im Sehnentunnel unter dem Schulterdach zu eng. Knochen, Sehnen und Schleimbeutel reiben aneinander. Es gibt drei Stadien des Impingements: eine spontan reversible Entzündung, eine fortgeschrittene Sehnendegeneration bis hin zur knöchernen Veränderung und zum Sehnenabriss. Dieser betrifft meist den Obergrätenmuskel. Durch typische Bewegungseinschränkungen, Röntgen, Ultraschall oder Magnetresonanztomographie kommt der Arzt der Ursache auf den Grund.
Überkopfbewegungen meiden Sie wahrscheinlich schon freiwillig. Der Arzt verschreibt Ihnen entzündungshemmende Präparate oder gibt kortisonhaltige Spritzen direkt in den Gelenkspalt. Akupunktur, Elektrotherapie, Stoßwellentherapie, niedrig dosierte Strahlentherapie, Kryotherapie und Krankengymnastik stehen zur Verfügung. Bringt die konservative Therapie keinen Erfolg, muss an eine Operation gedacht werden.
Was können Sie aber aktiv tun? Von enormer Wichtigkeit ist die Kräftigung der Muskeln, die am Oberarmknochen ansetzen und den Gelenkkopf nach unten ziehen. So entsteht wieder mehr Platz unter dem Schulterdach. Der Druck verringert sich und die gereizten Strukturen beruhigen sich. Da der Breite Rückenmuskel den Oberarm effektiv aus der Pfanne zieht, wird er zunächst durch die C1 trainiert, aber mit stark eingeschränkter Ausgangsposition. Ergänzend kommen die C3 oder C7 hinzu – je nach Verträglichkeit. Mit der D7 kräftigen Sie die Muskeln, die die Schulterblätter nach unten ziehen. Die D6 bietet mit der vertikalen sowie der horizontalen Griffvariante Kräftigung und Dehnung. Manchmal tut an der G1 der sanfte Zug gut, den das Gewicht auf den Oberarm ausübt. Die E2 kann in einigen Fällen vorsichtig eingesetzt werden. Mittelbis langfristiges Ziel ist der Start an der E4 und/oder E5 in niedriger Intensität.
Auf jeden Fall braucht das Krafttraining bei Impingement viel Geduld und Zuversicht.
