Ausgabe für Deutschland | www.kieser-training.com     Seite drucken     PDF

Liebe Leser,

ob Radio, Routenplanung oder Reiseführer – wer heute ein Smartphone hat, nutzt sie: «Apps» – kleine, mehr oder weniger sinnvolle Anwendungsprogramme. Und so wimmelt es im Netz auch von Gesundheits- und Fitness-Applikationen. Da werden Schritte und Kalorien gezählt, der «BMI» errechnet und Fitnessprogramme angepriesen, die suggerieren, dies ersetze die persönliche Anleitung durch einen Trainer.

Ich bin oft gebeten worden, eine «Kieser-App» zu entwickeln. Möchten Sie das wirklich? Stellen Sie sich das einmal vor: Während Sie festgezurrt in der Maschine Ihre Muskeln triezen, schnappt sich ein Instruktor Ihr Smartphone, um Einstellungen und Gewichte auf Ihrem Trainingsplan zu prüfen und Korrekturen einzutippen.

Manchmal sind die simplen Lösungen doch die besten. Individuelle Trainingsplanung und -steuerung gehören in die Hand des Fachmanns und sind durch keine App der Welt zu ersetzen. Die zugegebenermaßen etwas antiquiert wirkende Karte ist dabei nach wie vor der beste Garant zur Steuerung Ihres Fortschritts. Das lege ich auch denjenigen ans Herz, die glauben, ihr Ziel ganz ohne Dokumentation erreichen zu können. Damit trainieren Sie bloß Ihr Gedächtnis!

Viel Vergnügen beim Training und beim Lesen wünscht Ihnen Werner Kieser

Frauenpower

Die Frauen-Fußball-Nationalmannschaft macht es vor: Bei ihrer intensiven WM-Vorbereitung setzen die Spielerinnen besonders auf Muskelkräftigung. Und das aus gutem Grund: Krafttraining stärkt Muskeln, Knochen, Bänder, Sehnen und Gelenke, verbessert Kraftausdauer und Leistungsfähigkeit und schützt vor Verletzungen. Wir nennen Ihnen weitere sieben Gründe, warum sich das Training speziell für Frauen lohnt.



1. Gewicht
In Kombination mit ausgewogener Ernährung, reduzierter Kalorienaufnahme und ausreichend Bewegung ist Krafttraining der ideale Weg, um effektiv, dauerhaft und gesund abzunehmen. Denn ohne Training verlieren Sie während einer Diät nicht nur Fett, sondern auch wertvolle Muskelmasse. Das ist ungünstig, weil eine gesunde Muskulatur gegen viele Zivilisationskrankheiten schützt. Außerdem verbraucht eine gut ausgebildete Muskulatur viele Kalorien – so reduzieren Sie das Risiko eines Jo-Jo-Effektes.

2. Figur
Grundsätzlich gilt: Wo Muskeln sind, kann Fett nicht sein. Zudem sorgt Krafttraining für straffe Körperformen – natürlich auch an Bauch, Beinen und Po. Übrigens: Keine Sorge vor unweiblichen Muskelbergen – Frauen legen generell weniger Muskelmasse zu als Männer. Zudem können Sie das Trainingsgewicht «einfrieren», sobald Sie nicht mehr Muckis aufbauen möchten.

3. Cellulite
Ein Thema, das den meisten Frauen unter die (Leder-) Haut geht. Kein Wunder, schließlich ist diese dünner und elastischer als ihr männliches Pendant. Zudem sitzen in der Unterhaut von Frauen mehr Fettzellen (Lipozyten). Während beim Mann netzartig verwobene Kollagenfasern für ein glattes Hautbild sorgen, verlaufen die Fasern bei Frauen parallel. Die Folge: Sind die Fettzellen prall gefüllt, quetschen sie sich durch die Kollagenfasern und bilden die typischen Dellen. Krafttraining kurbelt die Fettverbrennung an und erhöht den Wassergehalt in der Muskelzelle. Der Effekt: Muskeln und Haut straffen sich.

4. Krampfadern
Krampfadern – so die umgangssprachliche Bezeichnung für Varizen: knotenförmige verdickte Blutgefäße, die sich unschön auf der Haut abzeichnen. Eine chronische Veneninsuffizienz lässt sich nicht wegtrainieren, aber wir können unsere Venen möglichst lange funktionstüchtig halten. Mit einem Training an der J1 oder der B8 stärken Sie Ihre Wadenmuskelpumpe. Der Effekt: Die Muskeln drücken auf die Venenwand und verbessern die Pumpleistung in Richtung Herz.

5. Osteoporose
Krafttraining kann Osteoporose (Knochenschwund) verhindern und die Knochensubstanz wieder aufbauen. Der Grund: Beim Training werden über die Muskeln Kräfte auf die Knochen übertragen. Dies setzt Aufbauprozesse in Gang und stimuliert den Knochen, vermehrt Mineralsalze einzulagern. Der Effekt: Knochendichte und -masse erhöhen sich. Weiterer Pluspunkt: Das Risiko von Stürzen und Knochenbrüchen sinkt.

6. Beckenboden
Wussten Sie, dass Sie Ihren Beckenboden bei den Übungen A1, A2, B5, B6, F1, F2, J9 und besonders bei der A4 automatisch aktivieren? Dies ist vergleichbar mit einer Beckenbodengymnastik. Wenn Sie die Beckenbodenmuskulatur zu Beginn jeder Wiederholung aktiv anspannen, erhöhen Sie die Trainingsintensität zusätzlich. Starke Beckenbodenmuskeln helfen, die Blase zu kontrollieren, Organsenkungen zu vermeiden und die Wirbelsäule aufzurichten.

7. Balsam für die Seele
Starke Muskeln verbessern Ihre Haltung, sorgen für mehr Präsenz, Ausstrahlung und Selbstbewusstsein. Das macht gute Laune und ist Balsam für die Seele.

Die starke Zahl

Angeblich sind Frauen ja per se dazu verdonnert, das sprichwörtlich schwache Geschlecht zu repräsentieren. Wir meinen: Das gehört eindeutig in die Klischee-Schublade! Mit einer Ausnahme: Betrachtet man die körperlichen Unterschiede zwischen Weiblein und Männlein, bleibt’s beim etwas angestaubten Schwäche-Mythos. Selbstverständlich gibt es starke Weiber und schwache Kerle, aber im Schnitt erreichen Frauen nun mal nur 70 Prozent der männlichen Kraft. Gleiches Alter und Körpergröße vorausgesetzt.

Grund für das weibliche Kraft-Defizit ist vor allem ein deutliches Muskel- Manko: Besteht ein männlicher Körper durchschnittlich zu etwa 40 bis 45 Prozent aus Muskulatur, kommt der weibliche Körper auf gerade mal 25 bis 35 Prozent. Verantwortlich dafür ist das männliche Sexualhormon Testosteron. Das ist zwar auch im Frauenkörper unterwegs – allerdings in wesentlich geringeren Mengen. Fakt ist: Testosteron baut Muskulatur auf. Männer profitieren also schlichtweg von einer günstigeren Hormonsituation.

Doch nicht alle Muskelgruppen halten sich an die 70-Prozent-Regel. Kraftmessungen bei Kieser Training konnten zeigen, dass der Kraftunterschied im Unterkörper geringer ist – Frauenbeine bringen es auf 74 bis 78 Prozent der männlichen Beinkraft. Dafür hapert’s in puncto Armmuskulatur. Hier erreichen Frauen meist nur 63 bis 65 Prozent der Männer-Kraftwerte. Der Statistik zum Trotz: Letztendlich zählt der Trainingsfleiß – und da stehen die Frauen den Männern in nichts nach. Exakt 50 Prozent der Kunden bei Kieser Training sind weiblichen Geschlechts – und das finden wir stark!