Ausgabe für Deutschland | www.kieser-training.com     Seite drucken     PDF

Liebe Leser,

ich erhalte oft Briefe mit denselben wiederkehrenden Fragen, beispielsweise: «Könnten Sie nicht noch ein paar Laufgeräte in die Studios stellen? » oder: «Haben Sie etwas gegen eine Sauna?» und so weiter. «Darum brauchst du einen Blog», meinte ein Freund. «Blog? Gibt es ein deutsches Wort dafür?» «Logbuch, Protokoll, Tagebuch oder Diskurs», meinte mein Freund.

Die Idee leuchtete mir ein. Statt immer wieder dasselbe in vielen Briefen zu wiederholen, kann ich oder ein Gastautor den Inhalt über das Netz vielen Menschen gleichzeitig zugänglich machen und – so hoffe ich – auch eine Diskussion auslösen. Und natürlich freue ich mich, wenn Sie sich selbst zum Thema äußern und Ihre Meinung kundtun. In diesem Punkt bin ich mit Karl Popper eins: Verifikation mag beruhigen, aber Gewissheit erlangt man durch Falsifikation.

Nun ist es da, mein (B)Log-Buch. Schauen Sie doch einfach mal rein.

Viel Vergnügen beim Lesen wünscht
Ihr Werner Kieser

So geht‘s:

Die Kraft der Muskeln

Unsere Muskulatur hat eine Schlüsselrolle für die Gesundheit. Die Fachtagung «Krafttraining – Aufbau und Wartung des Bewegungsapparates» am 19. November im Zürcher Kunsthaus zeigte Innovationen und neue Erkenntnisse rund um das Thema Muskulatur.


Referent: Dr. Nicolai Worm
© Foto: Michael Ingenweyen


«Vor 20 Jahren wäre eine Tagung wie diese nie möglich gewesen» – mit diesen Worten eröffnete Werner Kieser die Tagung mit 300 Ärzten, Physiotherapeuten und Instruktoren. Kieser präsentierte gleich drei Weltneuheiten in der Maschinentechnologie: die A5 für das Training der Beckenbodenmuskulatur sowie die B3 und B4 zur Stärkung der Sprunggelenksmuskulatur.

Verantwortlich für die Entwicklung der B3/B4 ist Dr. Marco Hagen vom Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Duisburg- Essen. Sein Thema: «Krafttraining der Pronatoren und Supinatoren zur funktionellen Fußstabilisation». «Durch die Kräftigung kann man kontrollierter abrollen und knickt weniger schnell um. Davon profitieren besonders Sportler in Lauf- und Springsportarten sowie Menschen mit instabilen Fußgelenken», erklärt Hagen.

Die neue A5 ermöglicht es erstmals, die Aktivität der Beckenbodenmuskeln zu visualisieren und den Trainingsfortschritt zu quantifizieren. Maßgeblich an ihrer Entwicklung beteiligt war Marco Schuurmans Stekhoven, Praxis für Physiotherapie und Osteopathie, Zürich. Auf der Tagung referierte er über «Taping und Training». Elastisches Taping führe bei Verletzungen und Schmerzen zur unmittelbaren Funktionsverbesserung – kombiniert mit Krafttraining optimal, um eine dauerhafte Heilung herbeizuführen.

«Muskelkraft ist eine starke Medizin» – das war das Thema von Dr. med. Martin Weiß, Arzt für Allgemeinmedizin/Chirotheraphie und Buchautor. Weiß zeigte Indikationen sowie weitreichende medizinisch relevante Wirkungen des Krafttrainings und ermunterte seine Kollegen, sich intensiv damit auseinanderzusetzen. «Meist lassen sich Erkrankungen lindern und in vielen Fällen sogar heilen.»

Dr. Nicolai Worm, Ökotrophologe, Buchautor und Begründer der LOGI- Methode sprach über «Paradigmenwechsel in der Ernährung». Worm nahm die Empfehlungen der Ernährungsfachgesellschaften kritisch ins Visier, die nicht zeitgemäß, aber oft gesundheitsgefährdend seien. Die LOGI- Methode verbessere dahingegen die Fettstoffwechselsituation und mindere das Risiko von Erkrankungen.

«Sport statt Latein», forderte der Kinderendokrinologe Prof. Dr. med. Urs Eiholzer, Leiter des PEZZ Pädiatrisch- Endokrinologischen Zentrums Zürich und Autor des Buches «Kraft für Kids». Sein Forschungsteam konnte erstmals nachweisen, dass entwicklungsorientiertes Muskeltraining vor der Pubertät nicht nur die Kraft, sondern auch die spontane Lust auf Bewegung fördert.

Dr. sc. nat. Marco Toigo von der ETH Zürich zeigte «Mechanismen der Regulation von Muskelmasse und Kraft» und erklärte auf molekularer Ebene, warum Kraft- und Ausdauertraining gleichzeitig betrieben kontraproduktiv sind. Er zeigte auf, wie sich der Effekt des Krafttrainings durch die Aufnahme essentieller Aminosäuren unmittelbar nach dem Training steigern lässt.

«Kreatin – eine Substanz mit Potenzial» – erklärte Dr. Theo Wallimann, emeritierter Professor am Institut für Zellbiologie der ETH Zürich. Die körpereigene Substanz helfe, Muskelbildung und -kraft zu steigern, die Knochendichte zu verbessern sowie die körperliche und psychische Leistungsfähigkeit zu erhöhen.

Die starke Zahl

Bitte einmal kurz innehalten: Wie sieht für Sie ein Mensch aus, der an Osteoporose erkrankt ist? Nun? Vielleicht eher weiblich? Das stimmt zwar noch immer, aber immer weniger, denn Osteoporose ist längst keine typische Frauenkrankheit mehr. Fakt ist: Weltweit leiden rund 200 Millionen Menschen unter schwindender Knochenmasse und häufigen Brüchen. Besonders für Ältere eine große Gefahr, die lebensbedrohlich werden kann. Mittlerweile sind auch immer mehr Männer von der vermeintlich weiblichen Erkrankung betroffen.

Tendenz der abnehmenden männlichen Knochenmasse: zunehmend. Studien prognostizieren der Männer-Osteoporose eine steile «Karriere»: Laut der Internationalen Osteoporose Stiftung werden 15 bis 30 Prozent der Männer mindestens einmal in ihrem Leben dank maroder Knochen einen Gips tragen. Für schwedische Männer über 50 Jahre wird das Bruch-Risiko sogar mit 30 Prozent beziffert und in Deutschland ist inzwischen jeder dritte Osteoporose- Patient männlich.

Doch ist diese Tatsache noch relativ unerkannt: In der Praxis wird die «männliche » Osteoporose ähnlich stiefmütterlich behandelt wie der «weibliche» Herzinfarkt. Medizinische Geschlechtermythen verzögern die richtige Diagnose. Was hilft, wenn die Knochen schwinden? Neben der ausreichenden Versorgung mit Vitamin D und – bei fortgeschrittener Erkrankung – einer medikamentösen Behandlung hilft richtig dosiertes Krafttraining an Geräten. Und das ist keine Frage des Geschlechts: Gezieltes Muskeltraining macht sowohl Männer- als auch Frauenknochen stark.