Ausgabe für Deutschland | www.kieser-training.com
PDF


Prof. Dr. Schulz von Thun
Kommunikationspsychologe
Herr Prof. Dr. Schulz von Thun, Sie schulen Mitarbeiter und Führungskräfte von Kieser Training in puncto kommunikative Kompetenz. Was heißt das?
Das heißt, den Kontakt untereinander und mit dem Kunden so zu gestalten, dass er auf zweifache Weise gelingt: Die genaue Verständigung auf der Sachebene und die wohltuende Begegnung auf der menschlichen Ebene. Da wir nicht von vornherein auf derselben Wellenlänge funken, will diese erst erspürt werden. Die kommunikative Kompetenz besteht dann darin, eine gute Form zu finden, die sowohl dem Inhalt und der Situation als auch dem Gegenüber und mir selbst gerecht wird. Das steht so in keinem Lehrbuch.
Wie wichtig ist ein einheitlicher sprachlicher Auftritt?
Aus meiner Sicht ist das wichtig. Als Kunde gehe ich ja eine Partnerschaft mit dem Unternehmen ein und nicht mit der lieben und netten Henriette Müller. Und Henriette Müller tritt nicht als frei schwebendes Individuum auf, sondern als Ansprechpartnerin für das Unternehmen. Und die Seele des Unternehmens, wenn ich mal so sagen darf, soll sich auch und nicht zuletzt in seinen menschlichen Repräsentanten wiederfinden. Allerdings muss Henriette Müller das Kunststück gelingen, die Seele des Unternehmens auf ihre «müllersche» Art zu verkörpern, damit es nicht aufgesetzt wirkt und wie ein Fremdkörper an ihr haftet. Auch das ist ein anspruchsvolles Ziel für die kommunikative Kompetenz: eine stimmige Verbindung von Professionalität und Authentizität zu schaffen!
Wie können wir uns die Schulungen vorstellen?
Als einen Dreiklang mit Kopf, Herz und Hand. Für den Kopf vermitteln wir Modelle, die uns helfen, das Zwischenmenschliche zu erschließen. Was das Herz angeht, laden wir die Teilnehmer dazu ein, eigene Gefühle und Gedanken zu erkunden und zu bearbeiten. Und die Hand steht für konkrete praxisnahe Übungen.
Gibt es Unterschiede in der Ausbildung von Mitarbeitern und Führungskräften?
Es gibt viele Gemeinsamkeiten, denn eine gute Begegnung auf Augenhöhe ist ja das Kernanliegen für alle. Aber es gibt auch einen wichtigen Unterschied und das betrifft die Rolle. Gute Kommunikation soll ja nicht nur authentisch und wertschätzend, sondern auch rollengerecht sein. Und zur Rolle der Führungskraft gehört es auch, manchmal unbequeme Wahrheiten zur Sprache zu bringen oder dem Mitarbeiter etwas zuzumuten, wofür er mir nicht dankbar um den Hals fallen wird. Eine Führungskraft ist zuständig für ein gutes Miteinander, aber auch für das Lösen von Konflikten, die in einem Team unweigerlich auftreten.
Und im Dialog mit dem Kunden? Ist er immer König?
Wir haben in Deutschland die Monarchie aus guten Gründen abgeschafft. Anbieter und Kunde begegnen sich als Partner, sie vereinbaren eine Kooperation mit der Aussicht, dass beide davon profitieren. Die Begegnung findet auf Augenhöhe statt. Gewiss hat der Kunde Anspruch darauf, achtsam, respektvoll und sorgfältig bedient zu werden. Aber auch der Anbieter hat den Anspruch auf einen respektvollen Umgang, eine seriöse Zahlungsmoral und darauf, dass etwa Haus- und Kleiderordnung oder Trainingsprinzipien eingehalten werden.
Lässt sich Kommunikation innerhalb von zwei- bis dreitägigen Kursen erlernen?
Ach, in zwei bis drei Tagen lassen sich schon einige Kommunikations- »Muskeln» aufbauen! Freilich – wem sag ich das – muss man dann weiter trainieren. Und wenn es darum geht, Souveränität bezüglich innerer Wahrheit und äußerer Klarheit zu entwickeln, dann dauert es ein paar Jahrzehnte – jedenfalls bei mir.
Kieser Training ist stark medizinisch orientiert. Gelten hier besondere kommunikative Anforderungen?
Und ob! Wir betreten mit dem menschlichen Körper ein hoch sensibles Territorium. Jeder Eingriff will gut bedacht und höchst genau abgesprochen sein. Und nicht jeder Mensch reagiert gleich und vorhersehbar auf den gleichen Eingriff. Wenn hier etwas schief läuft, ist der Verdacht sofort gegeben, dass in der Kommunikation etwas schief gelaufen ist. Allgemein gesprochen geht es darum, die Eigenschaften eines Produktes und die Bedarfslagen der Menschen auf eine produktive Weise zusammenzuführen. Kieser Training hat wunderbare Geräte entwickelt. Jetzt reicht es aber nicht zu sagen: «Nun trainiert mal schön!» Die Eigenschaften der Geräte wollen mit den menschlichen Besonderheiten verbunden werden, sodass Gerät und Mensch eine produktive Genossenschaft werden können.
Trainieren Sie selbst?
Ja, etwa zweimal in der Woche, seitdem ein Betrieb in meiner Nähe eröffnet hat. Jahre und jahrzehntelang haben mich immer wieder einmal Rückenschmerzen geplagt, zum Teil heftig. Ich gewinne zunehmend den Eindruck, davon weitgehend erlöst zu sein! Alle Achtung und vielen Dank!
Prof. Dr. Schulz von Thun war von 1975 bis 2009 Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität Hamburg. Er gilt als Begründer einer humanistisch-systemischen Kommunikationspsychologie, die in Europa vor allem durch die drei Bände «Miteinander reden» bekannt geworden ist. Besonders das «Kommunikationsquadrat » mit den vier Schnäbeln und vier Ohren und das «Innere Team» gehören heute zu den Standards in der berufsbezogenen Weiterbildung.

Karen Zoller, Diplom-Psychologin,
Kommunikationstrainerin, Coach
Tipp 1: Definieren Sie eine Zeit, die nur Ihnen und Ihrer Gesundheit gehört
Am Ball zu bleiben ist leichter, wenn Sie regelmäßige Termine für Ihr Training einplanen. Ist Ihre «Gesundheitszeit » fester Bestandteil Ihres Wochenplanes, bleibt das Training nicht so schnell auf der Strecke. Wenn Sie im Anschluss an das Training zusätzlich 15 Minuten einplanen, können Sie Ihr Training ganz in Ruhe absolvieren und geraten nicht in Stress, wenn Sie nicht sofort an die nächste Maschine können.
Tipp 2: Setzen Sie sich kleine Ziele, dann können Sie früher Erfolge feiern
Erfolg ist ein zentraler Motivator. Wichtig ist: Was ein Trainingserfolg ist, definieren Sie selbst. Aber Achtung: Je höher Sie die Messlatte legen, desto länger brauchen Sie, um Ihr Ziel zu erreichen – und desto weniger schnell registrieren Sie Erfolge. Allzu strenge Ge- und Verbote wie «Ich trainiere jede Woche mindestens drei Mal» streichen Sie am besten ganz aus Ihren Trainingsvorsätzen. Der Grund: Wer zu streng mit sich selbst ist, verliert schnell den Spaß an der Umsetzung. Dies gilt insbesondere für die «guten Vorsätze» nach dem Jahreswechsel: Je weniger realistisch diese sind, desto eher werden Sie sie aufgeben und – was noch viel schlimmer ist – frustriert sein. Besser ist: Zerlegen Sie Ihre Ziele in kleine messbare Teilziele. So überfordern Sie sich nicht und motivieren sich durch regelmäßige Erfolge. Da macht das Training gleich viel mehr Spaß.
Tipp 3: Kalkulieren Sie Ausfälle ein
Wer kennt das nicht? Einige Wochen nicht beim Training gewesen und schon ist die Motivation für den Wiedereinstieg im Keller. Nehmen Sie es sich nicht krumm, wenn Sie mal einen Durchhänger haben. Wer sich dann über sich selbst ärgert, raubt sich nur zusätzlich Motivation.
Tipp 4: Machen Sie Ihr Training zum Bestandteil eines Wohlfühl- Programms
Training kann Spaß machen, wenn es Teil eines persönlichen Gesundheitspaketes ist. Was können und wollen Sie noch für sich tun? Mal wieder gesund kochen, mit Zeit und Ruhe? Die Ernährung umstellen? Eine Sportart beginnen, die Sie schon immer einmal ausprobieren wollten? Eingebettet in weitere Maßnahmen zur Steigerung Ihrer Gesundheit und Lebensqualität ist das Training das optimale Herzstück Ihres Wohlfühl-Programms.
Tipp 5: Verbünden Sie sich mit Ihrem inneren «Schweinehund»
Der innere Schweinehund ist ein verkannter Zeitgenosse: Wie oft fluchen wir auf ihn, kommt er uns doch ständig in die Quere und hält uns von unseren ehrgeizigen Plänen ab! Aber: Er hat eine wichtige Funktion für unsere seelische und körperliche Gesundheit. Ob Sie richtig gehört haben? Haben Sie! Wer nach einem vollen Arbeitstag und etlichen Terminen lieber auf dem Sofa entspannen will, tut möglicherweise genau das Richtige. Hier schützt uns der innere Schweinehund vor Überlastung. Fragen Sie sich selbst, ob Ihr innerer Schweinehund nicht in Wahrheit ein Gesundheitswächter ist, den Sie glücklicherweise in sich haben. Wird er allerdings übermächtig und die Entspannung auf der Couch zum Dauerprogramm, sollten Sie ein ernstes Wörtchen mit ihm reden.
Herausgeber/Copyright Kieser Training AG, Systemzentrale, Hardstrasse 223 CH-8005 Zürich
Vertretungsberechtigter Geschäftsführer Michael Antonopoulos
Redaktionsleitung Patrik Meier, reflex@kieser-training.com
Freie Mitarbeit Redaktion Tania Schneider, Michaela Rose
Programmierung Michael Fuchs Online-Marketing
Verantwortlicher im Sinne von § 10 Abs. 3 MDStV Bastian Kauerhoff, Kieser Training AG
Erscheinungsturnus alle drei Monate
© 2011 Urheberrechte und Haftung
