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Das Burn-out-Syndrom


Nun hat’s auch Ralf Rangnick erwischt, den Bundesligatrainer von Schalke 04. Und Markus Miller, Torhüter bei Hannover 96. Letzterer muss sich sogar in stationäre Behandlung begeben. Beide leiden unter dem Burn-out-Syndrom. Burnout bedeutet wörtlich, ausgebrannt zu sein. Ein Burn-out-Syndrom bekommen meist Menschen, die über eine lange Zeit an oder über ihrer Leistungsgrenze arbeiten. Sie überengagieren sich in ihrem beruflichen und sozialen Umfeld und stellen oft Erwartungen an sich selbst, die nicht erfüllbar sind.

Unsere Gesellschaft hat den «Simultanten » hervorgebracht: einen Menschen, der Dinge gleichzeitig und nicht nacheinander tut. Der Simultant kommt mit vermeintlich wenig Schlaf aus, ist praktisch rund um die Uhr aktiv und stets erreichbar. Man begegnet ihm in ICEs oder in Flugzeugen, wo er sich während der Arbeit Essen servieren lässt, mit seiner Freundin und danach mit seiner Frau telefoniert und auf der abendlichen Rückreise gleichzeitig am Laptop arbeitet, ein Bier trinkt und die Kinder mittels Handy ins Bett bringt.

Multitasking heißt das neue Zauberwort. Es hat fast schon in allen Lebensbereichen Einzug gehalten: In der Freizeitkultur, in der Familienkultur, in der Esskultur, ja sogar in der Liebeskultur setzt man auf Erlebnisverdichtung. Allerdings überfordern dauernde Erreichbarkeit und Überkommunikation unsere psychophysischen Reserven.

Betroffene verleugnen meist eine lange Zeit die eigenen Bedürfnisse. Und da sie so stark engagiert sind, hat das Umfeld oft Mühe, erste Anzeichen eines Burn-outs zu erkennen: Verhäufige Flüchtigkeitsfehler, starke Erschöpfung, chronische Müdigkeit, Energiemangel, Libidoverlust, häufigere Infekte sowie Schlaf- und Konzentrationsstörungen. Die Folge von diesen Symptomen können Freudlosigkeit, Schuldzuweisungen, Aggression und zuletzt Angst und Depressionen sein.


Welche Auswirkung hat Kieser Training eigentlich auf …

… das Burn-out-Syndrom?

Behauptete Schiller einst, erst der Geist mache den Körper, gilt heute vielmehr der Umkehrschluss: Nur ein gesunder Körper ermöglicht einen freien, kreativen und damit auch produktiven Geist, der konzentriert und mit möglichst wenig Fehlern einer Tätigkeit nachgehen kann. Krafttraining hat viele Vorteile.

Burn-out gefährdete Menschen leiden unter einem hohen Stresslevel, der auf der physiologischen Seite die Muskeln verspannt. Muskeltraining erhöht nicht nur die Stabilität von Wirbelsäule und Gelenken, sondern vermindert dadurch auch Verspannungen, Verhärtungen sowie daraus resultierende Schmerzen. Zusätzlich führt der muskuläre Aufbau zu einer vermehrten Ausbildung kleinster Blutgefäße (Kapillarisierung) im Muskelgewebe. Das verbessert die Blutversorgung der Muskeln mit Sauerstoff. Ein weiterer Vorteil: Durch die quantitative Vermehrung des Muskelgewebes wird der Körperfett-Anteil reduziert. Das ist gut, schließlich ist Fett nicht einfach nur fett: Fettgewebe ist metabolisch hochaktiv und produziert diverse entzündungsfördernde Stoffe, die Verspannungen und Schmerzen aufrecht erhalten oder sogar verstärken können. Genau das können Burn-out gefährdete Menschen wahrlich nicht gebrauchen. Auf der psychologischen Seite führt ein Ganzkörperkrafttraining zu einer momentanen Verbesserung der Selbstwahrnehmung. Der Mensch setzt sich 30 Minuten ausschließlich mit sich und seinem Körper auseinander. Dadurch spürt er sich wieder – und zwar nicht nur als intellektuell funktionierende Denkmaschine, sondern als Ganzes. Dies wiederum führt zu einer Steigerung des Selbstwertgefühles – einem Gefühl, das vielen vor oder im Burn-out stehenden Menschen gänzlich abhanden gekommen ist. Es gibt aber noch einen weiteren Pluspunkt: Die intensive körperliche Aktivität während des Krafttrainings baut Stresshormone ab, die der steinzeitliche Mensch auf der Flucht vor dem Säbelzahntiger loswurde und heute bestenfalls wegraucht oder in Form von Essen, Alkohol oder Medikamenten «runterschluckt». Und nicht zuletzt: Durch das Training setzt am Abend eine physische Müdigkeit ein, welche die Schlafqualität verbessert.

Daher kann ich nur empfehlen: Nehmen Sie sich mit jeder Trainingseinheit ein kurzes «Timeout» für sich. Lassen Sie Ihr Handy abgestellt in der Garderobe, seien Sie einfach einmal nicht erreichbar. So können Sie sich endlich wieder auf eine sträflich vernachlässigte Person konzentrieren: auf sich selbst!

Texte auf Seite 2: Dr. med. Marco Caimi

Tipp vom Arzt

Was tun, wenn die Diagnose «Burn-out» lautet?


Dr. med. Marco Caimi

Nicht Geld, sondern Energie ist die Leitwährung des 21. Jahrhunderts. Im Handeln und Denken tun wir aber vieles, um unsere Energie vorzeitig zu vernichten. Schon unseren Alltag beschreiben wir mit erschreckender Selbstverständlichkeit als den «ganz normalen Wahnsinn», als «total stressig » oder «pausenlos». Gerade letzterer Begriff widerspricht zutiefst unserer Natur und unserem biologischen Rhythmus und stellt nichts anderes als einen energetischen Suizid in Raten dar.

Lautet die Diagnose Burn-out, gilt es, die betroffenen Menschen aus ihrem «Hamsterrad» zu befreien. Sie müssen von übermäßigen kommunikativen Reizen befreit werden. Lernen, dass der Mensch wie das Leben polar funktioniert: Auf den Tag folgt die Nacht, Spannung benötigt Entspannung und Wachsein erfordert ausreichenden Schlaf. Denn es ist nicht die absolute Menge an Arbeit, die Menschen in Erschöpfungszustände oder zuletzt in ein Burn-out treiben. Es ist der Mangel an physischer bzw. mehr noch der Mangel an psychischer Regeneration. Oszillatives Arbeiten – damit meine ich Arbeit kombiniert mit genügend Erholung – kann durchaus große Arbeitsspitzen enthalten, die innerhalb eines Projektes ja durchaus Spaß machen können. Diese Phasen sollten aber abgelöst werden von Phasen der Ruhe, in denen man auch nicht «mal nur ganz kurz» erreichbar ist.

Kluge Spitzensportler und deren Trainer machen es uns vor: Sie sind nicht dauernd in Hochform, sondern periodisieren ihr Jahr: Grundlagentraining – Aufbautraining – wettkampfnahes Training – Saison – Pause/ Regeneration. In der Berufswelt hingegen herrscht noch immer in weiten Kreisen die Meinung, dass dauernde Topleistungen am persönlichen Limit möglich sind. So werden sogar Ferien teilweise nicht mehr voll bezogen und natürlich ist man auch während des Urlaubs per Mail oder Handy stets erreichbar. Oder wie die selbstständig Erwerbenden sagen: selbst und ständig! Der Endpunkt dieser Sackgasse ist oft die Rehaoder eine schöne Privatklinik. Leider immer häufiger.

Unter Umständen kann eine psychologische Intervention erforderlich sein, in schwereren Fällen auch in stationärem Rahmen. Immer sollten jedoch begleitend und unterstützend der Körper und seine Aktivierung im Vordergrund stehen. Dazu gehört auch und insbesondere ein regelmäßiges gesundheitsorientiertes Krafttraining, denn: Ein starker Auftritt stärkt auch Selbstwahrnehmung und Seele!